Röhrsdorf-live
Röhrsdorf - der Ort
Geschichte
Röhrsdorfer Blatt
Rückblick 2014
Rückblick 2013
Rückblick 2012
Rückblick 2011
Rückblick 2010
Rückblick 2009
Gästebuch
Kontakt & Impressum
Sitemap


Besucher-Nr.:

Unsere 800-jährige Geschichte (Stand 2007 - Auszug aus der Ortschronik)

(Für die Bereitstellung dieses Textes bedanke ich mich bei den Autoren der Röhrsdorfer Chronik-Gruppe, bei Mike Fischer von der FFW Röhrsdorf und dem Ortschaftsrat. Sollte ich einen Autor damit nicht genannt haben, so informieren Sie mich bitte umgehend, damit ich dies ergänzen kann.) Der Text wird in der kommenden Zeit noch mit Bildern und weiteren Informationen ergänzt. Quellenangabe am Textende.

Die Anfänge der fränkischen Besiedelung

Unsere Gegend war zu Beginn ihrer Besiedelung reich bewaldet. Es war die Sächsische Ostmark, die aus der Sorbenmark, zwischen unterer Saale und der Oder liegend, hervorging. Markgrafen regierten damals das Land, sie unterstanden direkt dem Kaiser und hatten die Aufgabe, die Marken (die Grenzländer) zu verteidigen. So regierten zwischen 871 und 1210 achtundzwanzig Markgrafen die Ostmark, der bedeutendste war wohl Wiprecht II aus Groitzsch.

Dieser Markgraf Wiprecht II. (1050 bis 1124) brachte fränkische Siedler (Adlige mit ihren Bauern) aus dem Rhein-Main-Gebiet in das Land von Groitzsch über Altenburg bis in unsere Gegend. Da unsere Region damals so waldreich und für die ersten Siedler der Weg recht beschwerlich war, erfolgte die Besiedelung entlang der Bach- und Fluss-läufe.

Parallel dazu erfolgte die Christianisierung im Interesse der fränkischen Herrscher. Wiprecht II. gründete in Pegau ein Benediktinerkloster. Von dort aus wurden Mönche in unsere Region entsandt, erhielten vom Kaiser Konrad III. das Land geschenkt und gründeten 1143 das Kloster „St. Marien auf dem Berge“ in Kameniz (Chemnitz). Gleichzeitig wird dem Kloster das Recht zur Errichtung und Unterhaltung eines Fernhandelsmarktes erteilt.

Um die gleiche Zeit - vermutlich zwischen 1165 und 1172 - wurde in Rabenstein eine Burg zur Sicherung der damaligen Fernstraße von Altenburg über Waldenburg nach Prag errichtet.

Das Benediktinerkloster und die Herrschaft auf Burg Rabenstein beeinflussten ganz ent-scheidend die Besiedelung des Erzgebirgsvorlandes. Siedlerführer Rüdiger, dem man das Tal des Pleißenbaches zwischen dem Bornaer Weg und Löbenhain zur Rodung übergeben hatte, ließ das Land zu beiden Seiten des Baches in 34 fränkische Hufen teilen. Diese Hufen waren ausreichend für die Lebenshaltung einer Bauernfamilie, da man damals auch das Nutzungsrecht an der Allmende, dem Wald und den Gewässern sowie der Gemeindewiese hatte. Diese Eigentümer der 34 Wirtschaften sind damit die Gründer von Rüdigersdorf, unserem heutigen Röhrsdorf. Um 1200 könnten so etwa 300 Menschen im Tal des Pleißenbaches gelebt haben. Eine Urkunde über die Gründung unseres Ortes ist bisher nicht gefunden worden und so einigte man sich vor 50 Jahren auf das Jahr 1207. Damit konnte 1957 das Ortsjubiläum gemeinsam mit dem Schuljubiläum gefeiert werden.

Abhängig von Chemnitz und Rabenstein

Zurück zu unseren Anfängen. Es war nur logisch, dass Abhängigkeiten vor allem zur Herrschaft auf Burg Rabenstein, die mit Frondienst und Zinslasten verknüpft waren, bestanden. Das verlief offensichtlich nicht immer reibungslos und dauerte Jahrhunderte an, was auch die Legende um den Schäferstein zeigt. Der Schäfer der Burg Rabenstein trieb seine Herden auf die saftigen Wiesen der Röhrsdorfer Bauern. Diese wurden dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen. Es kam zum Streit und die erbosten Geschädigten sollen den Schäfer erschlagen haben. Zur Strafe und Sühne mussten die Bauern am Tatort ein steinernes Kreuz errichten.

Die ersten Seelsorger in Rüdigersdorf waren Mönche des Benediktinerklosters in Kameniz, sie kamen um zu trauen und zu bestatten, die Beichte abzunehmen und das Abendmahl zu geben. Eine erste Kirche wurde in dieser Zeit nach der Ortsgründung errichtet. Eine Urkunde dazu wurde nicht gefunden, aber die Rundbogenpforte im romanischen Baustil bestätigt das vermutete Alter der Kirche. Urkundlich wird sie erstmals 1346 in den Meißner Bistumsmatrikeln erwähnt.

Rüdigersdorf entwickelte sich weiter. Es entstanden weitere Anwesen, so genannte Gärtnerhäuser oder Gärtnergüter, die man vom Grund der großen Höfe abzweigte. Erreichbar waren die Bauernhöfe über zwei alte Dorfstraßen, dem Erbhofweg (heute Goetheweg) und dem Bauernweg (heute Beethovenweg).

Die Errichtung und der Ausbau der Höfe aber auch der Kirchenbau zeugen von handwerklichen Fertigkeiten der ersten Bewohner. Mit ihren Erzeugnissen wollten sie in der benachbarten Stadt handeln. Aber es kam damals zu Streitigkeiten zwischen „Stadt und Land“. 1331 wird auf eine Bannmeile der Stadt (Meilenprivileg) hingewiesen. Kein Dorfhandwerker durfte auf dem Markt in Chemnitz etwas anbieten.

In seinen Anfängen war Rüdigersdorf im Besitz der Herren auf Rabenstein, dem Geschlecht der Waldenburger. Kaiser Ludwig der Bayer versprach 1336 das gesamte Land den Herren des Benediktinerklosters, wenn die Waldenburger ausgestorben sind. Sie starben aber nicht aus und es folgten Streit, Zwist und Besetzung der Burg. Letztlich wurde der Verkauf an das Kloster im Jahre 1375 für „1700 Schock gute Freiberger Groschen“ verfügt. Damit wurde die „Rabensteiner Fehde“ beendet und, wie viele Orte der gesamten Gegend, gehörte Rüdigersdorf nunmehr dem Kloster.

Die Reformation in Röhrsdorf und die Anfänge des Handwerkes

Eng verbunden sind Dorf- und Kirchengeschichte. Die Kirche, vom Benediktinerkloster aus betreut, war Zentrum des Gemeindelebens. Das Ende des Mittelalters hinterließ deutliche Spuren. Renaissance und Reformation führten zu immensen Entwicklungen im Handwerk, Gewerbe und Handel, in der Gesellschaft und im geistigen Leben.

Schon 1524 gab es „lutherische“ Bauern. Davon zeugt eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Pfarrer Keppler und Bauer Georg Steltzmann, der offenbar seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen war. Der „betreffende“ Bauer sollte des Landes verwiesen werden. Ob und wie diese Strafe vollzogen wurde, ist nicht belegt. Tatsächlich nahm aber in dieser Zeit die Zahl der Bauerngüter um zwei ab. Die Reformation wurde 1539 in Röhrsdorf offiziell eingeführt, in diesem Jahr quittierte der letzte katholische Pfarrer, Blasius Wieland, seinen Dienst. Der erste evangelische Pfarrer war der frühere Mittweidaer Bürger und Fleischhauer Antonius Hofmann. Ein ausführlicher Bericht in den Kirchenakten belegt, dass sich die Bauern von den lästigen Abgaben und Verpflichtungen ihrem Lehnsherren gegenüber, dem auch das Kloster gehörte, befreiten. Das Kloster Chemnitz löste sich 1541 auf und unser Ort wurde kurfürstliches Amtsdorf bis zum Jahre 1806. Die Obrigkeit für Röhrsdorf und Löbenhain saß im kurfürstlichen Amt in Chemnitz. Sie handelten im Auftrag des Landesherren. Der Dorfrichter war im Ort der unmittelbare Vertreter der kurfürstlichen Gewalt und der „erste Mann“ im Dorf, verantwortlich für die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit. Erst 1839 mit der Landgemeindeordnung übernahm der Gemeindevorstand die Verwaltung und an die Stelle der Dorfgerichte traten die Gerichtsämter.

Handwerk und Gewerbe entwickelten sich. Eine erste Mühle, die Kirchmühle, entstand bereits um 1400. Sie gehörte Matz dem Älteren. Weitere Mühlen mit Mahl- und Sägewerken und sogar eine Lohmühle entstanden. 1555 waren in Röhrsdorf zwei Leineweber, zwei Schneider, ein Stellmacher, ein Schmied und ein Böttcher tätig. Bierausschank gab es nach Überlieferungen im Lehngericht. Dem Lehnrichter war erlaubt, Bier nur von Chemnitzer Herkunft zu verkaufen. Noch 1768 kam es zum „Bierkrawall“, weil der Pfarrer sich in Dittmannsdorf Bier besorgte. Chemnitzer Bürger beschlagnahmten die Tonne und ließen das Bier auf die Straße laufen.

Der Küster, der zugleich Kantor und Schulmeister war, erteilte damals zweimal in der Woche den Kindern Unterricht. Die Kirchschule auf dem Kirchberg wurde 1578 erstmals urkundlich erwähnt und der Küster war bis 1852 der einzige Lehrer im Ort. Im Kirchenbuch findet sich erstmals die heutige Schreibweise unseres Ortes, seit 1641 urkundlich verbrieft Röhrsdorf.

Kriegerische Auseinandersetzungen

Kriegerische Auseinandersetzungen zogen Röhrsdorf immer wieder stark in Mitleidenschaft. So zog der schwedische Oberst Torstensohn im Jahre 1642 des 30-jährigen Krieges auf der Leipziger Straße nach Chemnitz. Zwei Regimenter nahmen zwei Tage Quartier und plünderten, Vieh wurde weggetrieben.

100 Jahre später wurde Röhrsdorf in die Wirren des Siebenjährigen Krieges hineingezogen. Zwischen 1758 und 1760 kam es in unserer Gegend zu mehreren Gefechten von sächsischen Dragonern, polnischen Ulanen, preußischen Kürassieren und kaiserlichen Husaren.

In der Zeit der Befreiungskriege, in den Vortagen der Völkerschlacht bei Leipzig, lag Röhrsdorf zwischen den Fronten der Österreicher und Russen einerseits sowie der Polen und Franzosen andererseits. Von größeren Schäden wurde der Ort verschont. Es gab aber kein Gut oder Haus, wo nicht Kranke und Verletzte des Krieges lagen. Ein russischer General soll hier gefallen sein.

Im Krieg Preußen gegen Österreich im Jahre 1866 waren preußische Soldaten in Röhrsdorf einquartiert.

Die Leipziger Straße war eine bedeutende Straße, nicht nur für Kriege. Sie hatte großen Einfluss auf den Handel und somit auch auf Röhrsdorf. Einst standen hier Postmeilensäulen, eine wurde 1721 als Ganzmeilensäule am ehemaligen Wildpark und eine andere als Viertelmeilensäule an der Wasserschänke aufgestellt. Sie dienten der Wegemarkierung. Diese Postmeilensäulen wurden in den Jahren 2006 und 2007 renoviert und werden wieder am alten Standort aufgestellt. Die Erwähnung einer Geleitkasse beweist, dass der Ort das Beigeleit einnahm. Jeder Wagen, der auf der Leipziger Straße fuhr, zahlte einen Pfennig. Zahlungsort war das Zollhaus, das einzelne Haus an der heutigen B 95 zwischen Ortsausgang und Wasserschänke.

Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts

Mit der einsetzenden industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts veränderte sich der Charakter des Dorfes. Großen Einfluss hatte Chemnitz, das um 1800 Mittelpunkt der erzgebirgischen Industrie wurde, mit seinem Maschinenbau, den Strumpffabriken und den Baumwollwebereien. Viele Röhrsdorfer fanden dort ihren Broterwerb und im Talgrund des Pleißenbaches siedelten sich in Häuslerwohnungen als Heimarbeiter Strumpf- und Handschuhwirker sowie Weber an. So gehörten der 1864 gegründeten Strumpfwirkerinnung 122 Meister an, die sich 1887 wieder auflöste. Die meisten der ehemaligen Meister wurden Fabrikarbeiter.

Eine lange Tradition hatte auch der Anbau und die Verarbeitung von Flachs. Die Bleiche, heute Textilveredlung Seidel, gibt es seit 1837, sie ist der älteste heute noch produzierende Betrieb in unserem Ort. Theodor Riedel war der erste Fabrikant, der Kettenwebstühle in Röhrsdorf einführte, ihm folgte Moritz Hofmann in Löbenhain. Im Jahre 1867 betrieben die 12 Fabrikanten bzw. Factore 25 mechanische Webstühle und ungefähr 150 Nähmaschinen.

Diese industrielle Entwicklung ist die Ursache dafür, dass sich die Einwohnerzahlen in Röhrsdorf und Löbenhain von 1800 bis 1900 verdreifachten. von 1081 auf 3053 Einwohner. Damit veränderte sich das Dorfbild ganz entscheidend. Neue Wohnhäuser, Geschäftsunternehmen und Fabriken entstanden. Der alte Landgraben am Pleißenbach entlang wurde zur Hauptstraße von Chemnitz nach Limbach ausgebaut. Die fünf Mühlen in Röhrsdorf und Löbenhain mahlten Getreide und schnitten Holz. Fünf Bäckereien, drei Fleischereien (Louis Hutschenreuter war die älteste) versorgten die Bevölkerung. Handwerksbetriebe und weiteres Gewerbe entstanden und als Beispiele seien genannt: fünf Schmiede, drei Stellmacher, zwei Böttchereien, der Brunnenbauer Karl Strauch (daher die Bezeichnung Strauchhof), der Steinbruch hinter der Klausmühle (heute Autohaus Käßner) lieferte Schotter für den Straßenbau, zwei Bauunternehmer und zwei Kohlehändler. Sogar eine Brauerei hatte Röhrsdorf, von 1884 bis 1908 wurde an der Bahnhofstraße Bier gebraut.

Mit diesem Fortschritt war auch die Entwicklung der Geselligkeit verbunden, nach getaner Arbeit wollte man sich vergnügen. Es gründeten sich zahlreiche Vereine, die eine Unterkunft oder einen Treffpunkt benötigten. Zwischen 1850 und 1900 entstanden die meisten Gaststätten, zum Teil mit Tanzsälen, wie zum Beispiel das Forsthaus, der Goldene Löwe, Rechenberger, Bertholds Gaststätte, das Lehngericht, Zur Post, Rüdigers Restaurant, das Sängerheim, der Wildpark, die Conditorei und Café Römer u. a.

Mit dem starken Zuwachs der Bevölkerung reichte die Kirchschule als einzige Schule von Röhrsdorf und Löbenhain nicht mehr aus. Die Niederdorfschule entstand 1871 und wurde 1883 erweitert. Im Jahre 1872 wurde die Löbenhainer Schule eingeweiht.

Der Zusammenschluss von Röhrsdorf und Löbenhain

Am 1. Juli 1901 schlossen sich die Gemeinden Röhrsdorf und Löbenhain zusammen. Anlass war der Tod des Gemeindevorstandes von Löbenhain. Zur Erinnerung an den Zusammenschluss wurde vor dem Löbenhainer Schulhaus (heute Architekturbüro Riemer) eine Gedenktafel angebracht. Diese nun größere Gemeinde beschloss, eine neue Schule zu bauen. 648 Schüler im Jahre 1903 mit Klassenstärken von 45 bis 62 Schülern waren auch in den vorhandenen drei kleinen Schulen nicht mehr unterzubringen. Am 21. Oktober 1907 wurde das heutige Schulgebäude als siebenklassige Zentralschule eingeweiht. Die Baukosten betrugen 165.000 Mark. Der Märchenbrunnen wurde vom Dresdner Kunstbildhauer Arthur Lange, einem gebürtigen Röhrsdorfer, geschaffen.

Das 20. Jahrhundert

Der 1. Weltkrieg riss auch in Röhrsdorf große Lücken. Die furchtbare Bilanz sind 113 Gefallene und 10 Vermisste. In den Jahren danach, in den 20er und 30er Jahren wurde viel gebaut. Es entstanden die Siedlung an der Wasserschänkenstraße, die Siedlung an der Leipziger Straße, die Genossenschaftshäuser. Gleichzeitig schuf man die Gartenanlagen „Eckhardt´s Hang“, „Genossenschaft“ und „Sommerlust“. Ein großer Fortschritt war der Anschluss aller Haushalte an die zentrale Wasserversorgung im Jahre 1936. An Röhrsdorf vorbei führte nun auch die Autobahn.

Das Nazideutschland und der Zweite Weltkrieg brachten in ganz Deutschland tiefe Einschnitte in das Leben. Es begann 1933 mit 17 verhafteten Antifaschisten, die durch die SA misshandelt wurden. Viele Röhrsdorfer mussten dann in den Krieg ziehen und kehrten nicht zurück. Fliegerangriffe auf den Gasbehälter und das Tankholzwerk sowie weitere Bombenabwürfe hinterließ eine Tote, Frau Könnemann, weitere Verletzte und zerstörte Gebäude. Im April 1945 marschierten amerikanische Truppen in Röhrsdorf ein, die Autobahn bildete die Grenze zu den sowjetischen Truppen.

Entsprechend des Abkommens von Jalta übernimmt die sowjetische Militärverwaltung die Besatzung der Ostzone in deren Folge am 25. Juni die amerikanischen Truppen Röhrsdorf räumen. Mit dieser Aufteilung in die Westzonen und die Ostzone wird die unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklung in beiden Teilen Deutschlands geprägt.

Nach diesem schrecklichen Krieg trugen viele Menschen auch in Röhrsdorf die Entwicklung mit, natürlich nicht ohne Widersprüche. Ein Ausdruck der Stimmungslage ist der 1946 in Sachsen durchgeführte Volksentscheid zur Enteignung der Kriegs- und Naziverbrecher. In Röhrsdorf stimmten bei einer 91,5-prozentigen Wahlbeteiligung 73,4 Prozent der Enteignung zu, 17,9 Prozent waren dagegen und 8,7 Prozent enthielten sich der Stimme.

In der 1949 gegründeten DDR wurde 1952 der Aufbau des Sozialismus proklamiert. In Folge wurde 1952 in Röhrsdorf die erste LPG mit 24 Mitgliedern und 155 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche gegründet, der Beginn der Kollektivierung der Landwirtschaft in unserem Ort. Diese wurde 1960 in einem widerspruchsvollen Prozess, der teils freiwillig und teils unter Druck erfolgte, vollendet. Volkseigene Betriebe entstanden, als Beispiele seien die Mechanisierung, das Dienstleistungskombinat, das Zentrale Umspannwerk, die Autobahnmeisterei, der HO-Kreisbetrieb und die Buntfärberei genannt. Für Kinder und Jugendliche gab es Kindergarten, Schulhort, Ferienlager und Ferienspiele. Im Bereich Kultur und Sport konnten sie für wenig Geld ihrem Hobby nachgehen.

Sportlich hat Röhrsdorf einiges zu bieten. Reitsport und Fußball wurden und werden erfolgreich betrieben, die Kegler schafften den Aufstieg in die DDR-Liga. Gymnastik und Eisschnelllauf hatten viele Aktive. Die jährliche Ponyleistungsschau ist weit und breit eine der beliebtesten Veranstaltungen.

Die 750-Jahrfeier im Jahre 1957 war ein Höhepunkt in der Geschichte des Ortes. Gleichzeitig wurden 50 Jahre Zentralschule gefeiert. Zum damaligen Fest konnten die Freunde aus dem anderen Teil Deutschlands begrüßt werden.

Im Jahre 1982 konnten die Röhrsdorfer 775 Jahre feiern. Die Schule wurde nun 75 Jahre alt. Sie war inzwischen eine 10-klassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule. Damals gingen zwischen 350 und 400 Schülerinnen und Schüler in die Schule.

Die sozialistische Entwicklung verlief nicht ohne Widersprüche, sozialen Leistungen standen Defizite in der Demokratie gegenüber, die Reisefreiheit war stark eingeschränkt. Wirtschaftlich nahmen die Schwierigkeiten zu, Anspruch und Wirklichkeit klafften immer weiter auseinander. In Röhrsdorf gründete sich eine Gruppe des Neuen Forums. Sie gingen gemeinsam mit vielen Einwohnern friedlich wie in anderen Orten auf die Straße und leiteten damit den Zusammenbruch der DDR ein.

Nach der Wende

Engagierte Bürger saßen in den Jahren 1989 und 1990 am Runden Tisch und planten die neue Zukunft für Röhrsdorf. Es folgte die erste demokratische Wahl des neuen Gemeinderates und Bürgermeisters. Es entstanden neue Firmen, Familienunternehmen reprivatisierten sich. Andererseits mussten größere ehemalige volkseigene Betriebe schließen, die Arbeitslosigkeit stieg. Die inzwischen überdimensionierten landwirtschaftlichen Betriebe wurden aufgelöst. Es entstanden der Wirtschaftshof Sachsenland als eingetragene Genossenschaft und die Wiedereinrichter Brising, Gebhardt, Klaus, Linke, Richter/Große und Zesch im Haupterwerb sowie Vogel, Weißbach, Wolf und weitere im Nebenererwerb begannen auf ihrem eigenen Hof zu produzieren.

Im November 1992 eröffnete Sachsens größtes Einkaufscenter - das Chemnitz-Center - seine Pforten und ist seitdem für die Menschen aus Chemnitz und den umliegenden Orten die Einkaufsadresse Nummer 1 geworden. Getreu dem Motto: „Das Einkaufs-Center für die ganze Familie“, honorieren mehr als 35.000 Kunden täglich den Service des Chemnitz-Centers mit ihrem Besuch. An das Chemnitz-Center schließt sich ein Gewerbegebiet an. In diesem Gesamtkomplex fanden auch viele Röhrsdorferinnen und Röhrsdorfer Arbeit.

Neue Häuser schossen wie Pilze aus dem Boden. Schön wohnt es sich am Eichenhof, Ludwigshof, Goetheweg, Strauchhof und am Beethovenweg.

Mit der Realisierung der Kreisgebietsreform wurde Röhrsdorf mit weiteren sieben Ortschaften 1999 nach Chemnitz eingemeindet. Dem ging ein widerspruchsvoller Prozess voraus, wo Gemeinderat sowie Bürgerinnen und Bürger um Beibehaltung der Selbstständigkeit rangen. Auch dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Seifert war bewusst, dass die Stadt „ein goldenes Kälbchen“ erhielt. Heute können wir sagen, wir sind gut aufgenommen worden.

Einen besonderen Platz haben in unserer Ortsgeschichte die Röhrsdorfer Schulen eingenommen. So ist es nur folgerichtig, dass am Ende des kurzen historischen Abrisses einige Worte mehr über die heutige Schule stehen. Unsere Kinder sind die Zukunft für eine weitere erfolgreiche Entwicklung von Röhrsdorf.

Seit der sächsischen Schulreform im Jahre 1992 lernten die Röhrsdorfer Kinder in der Grundschule und in der Außenstelle der Geschwister-Scholl-Mittelschule Limbach-Oberfrohna unter einem Dach. Immer weniger Kinder und die Pflicht zur Zweizügigkeit in der Mittelschule führten im Jahr 2000 zur Aufhebung der Außenstelle. Die Mittelschüler gingen nun nach Wittgensdorf in die Schule.

2007 lernten in unserer Schule vierundsiebzig Kinder in vier Klassenstufen unter dem Motto „Bewegte Grundschule“. Neben den Klassenräumen stehen Fachunterrichtsräume für Musik, Kunsterziehung und Werken, ein Computerkabinett und der Schulgarten zur Verfügung. Außerhalb des Unterrichts können die Kinder in einer Bücherei mit einer gemütlichen Leseecke Literatur verschiedenster Sachgebiete finden. Diese Räume sind auch in der Freizeit für die Arbeitsgemeinschaften Laienspiel, Computer und Englisch nützlich.

Im Hort und im Club 95 sowie auf dem Bolzplatz hinter der neuen Sporthalle bestehen Möglichkeiten für eine interessante Freizeitgestaltung, nicht nur für die Grundschüler.

Die ehemalige Turnhalle ist jetzt Pausenraum und Aula, in der seit 2005 Dank von Sponsoren eine Bühne mit einer Mikrofonanlage aufgebaut sind. Hier und auf dem neu gestalteten Pausenhof finden seit 2003 immer im Juni die Schulfeste statt. Der Schulanfang, Auftritte der Laienspielgruppe, die Präsentation an den Projekttagen und das Weihnachtssingen finden hier statt und haben damit einen würdigen Rahmen.

Bei kuturellen Höhepunkten des Ortes sind die Schüler mit ihren Lehrerinnen und Hortnerinnen oft aktiv dabei.

Am Schluss bleibt uns ein Resümee: Über die Jahrhunderte hinweg war die Entwicklung, wenn auch oft widerspruchsvoll, immer mit Chemnitz verbunden. Röhrsdorf bleibt auch zukünftig als Chemnitzer Stadtteil eigenständig und lebendig und ist für die Stadt eine wertvolle Bereicherung.

Quellen:         

Friedrich Adolf Schwen, Altes und Neues aus Röhrsdorf bis 1903, Röhrsdorf 1903

Erich Pfau und Kurt Lungwitz, Heimatgeschichte Röhrsdorf, Röhrsdorf 1957

Kurt Lungwitz, Die Entwicklung Röhrsdorfs von 1950 bis 1980, Rat der Gemeinde Röhrsdorf 1982

Gemeinderat Röhrsdorf, Röhrsdorf - Einst und Jetzt, Scheibenberg1998

Autorenkollektiv, Chronik der LPG Röhrsdorf, Karl-Marx-Stadt 1979

Horst Strohbach, Das Limbacher Land, Berlin 1962 (bearbeitet von Rudolph Strauß)

Felix Haase, Der Kreis Chemnitz-Land - 400 Jahre evangelisch, Chemnitz 1939

Autorenkollektiv, Luftkrieg und Zivilbevölkerung 1939-45, Niederfrohna 2003

Autorenkollektiv, Noch mal davon gekommen, Chemnitz 2005

Autorenkollektiv, Erinnerungen an den Frühling 1945, Niederfrohna 1999